Gedanken zur Jahreslosung 2014

Bild: Jahreslosung 2014
Die Jahreslosung im Verlag am Birnbach

Liebe Leserinnen und Leser,
unpassender hätte ein Besuch nicht ausfallen, verunglückter eine Ankunft sich nicht gestalten können: Mitten in der Nacht, in einem allgemeinen Chaos, wo jeder mit sich selber beschäftigt ist. Und ein wenig ansehnlicher hätte dieser himmlische Gast - wenn er denn ein solcher ist - auch sein können: Das Kind armer Leute, der Junge aus Nazareth, der Mann am Kreuz... Wenn Gott zur Welt kommt, wer kann das erkennen, wer rechnet damit, wer ist dafür bereit? Johannes fasst dieses Nicht-Bereitsein in den Satz: „ER kam in sein Eigentum; und die Seinen nahmen ihn nicht auf.“ Ist das nicht traurig, auf jeden Fall seltsam?! Irgendwie warten die Menschen auf Gott, auf seine Nähe. Aber wenn es so weit ist, haben sie keinen Platz und keine Zeit für ihn. Wir sind so sehr mit uns selbst beschäftigt und wir benötigen allen Raum und alle Zeit so dringend für das Eigene, dass nichts oder wenig für andere bleibt - für die in Not, für die Unansehnlichen, für die, die in kenternden Schiffen übers Meer zu uns wollen. Und je reicher die Menschen werden, desto mehr füllen sie alles mit sich selber aus, desto weniger kann der andere herein treten.

Die Jahreslosung 2014

Gott nahe zu sein, ist mein Glück
Psalm 73,28

Gott sei Dank ist diese Selbstbezogenheit nicht die einzige Feststellung, die wir im Evangelium finden. So wie wir in der Weihnachtsgeschichte Menschen begegnen - die Liebe der Mutter Maria, die Treue des Josef, die Aufmerksamkeit der Hirten, die religiöse Neugierde der Weisen –, so sagt uns auch Johannes: „Denen aber, die IHN aufnahmen, gab er das Recht, Gottes Kinder zu werden“ (Johannes 1,11 und 12). Die Weihnachtsbotschaft lässt uns das Dunkel einer verschlossenen Welt erkennen. Aber sie zeigt uns auch, wie Gott einen Raum findet – und wenn er durch den Stall zur Welt kommt; dass es eben doch Menschen gibt, die sein Licht sehen und es weiter tragen; dass erfahrbar werden kann, was die Jahreslosung 2014 aussagt: „Gott nahe zu sein, ist mein Glück“ (Psalm 73,28). Anrührender noch ist die Weihnachtsbotschaft. Sie lautet: Uns nahe zu sein, ist Gottes Glück.

Michael Grimm