Gedanken zur Jahreslosung 2011

Liebe Leserin, lieber Leser, ist es ihnen auch schon so gegangen: sie sitzen am Steuer ihres Wagens, rollen ruhig in der Autoschlange mit. Es hat keinen Sinn zu überholen. Da sehen sie im Rückspiegel, dass da einer hektisch von Lücke zu Lücke springt. Jetzt ist er direkt hinter ihnen, betätigt die Lichthupe, gestikuliert. Sie werden nervös und fühlen sich bedrängt und bedroht. Plötzlich schert er aus, fährt neben ihnen. Und sie: geben vielleicht ganz leicht Gas, der Sicherheitsabstand zum Vordermann schwindet dahin, kaum Platz noch zum Einordnen für den anderen. Jetzt kommt Gegenverkehr! Der Überholende bremst scharf, schafft es gerade so, hinter ihren Wagen zurückzukehren; zufrieden schauen sie in den Spiegel. „Rache ist süß!“. Aber: Rache ist gefährlich. Wer sich ihr hingibt, riskiert, dass andere Schaden nehmen. Wenn jeder jedem alles heimzahlen würde, nach dem Motto: „Auge um Auge, Zahn um Zahn“, die Folgen für das Zusammenleben wären nicht auszudenken, es gäbe zum Schluss nur noch Opfer und Verletzte. Darum legt uns die Jahreslosung für das kommende Jahr „Lass dich nicht vom Bösen überwinden, sondern überwinde das Böse mit Gutem", ans Herz.

Die Jahreslosung 2011

Laß dich nicht vom Bösen überwinden, sondern überwinde das Böse mit Gutem.
Römer 12, 21

Die Jahreslosung 2011 ist ein Wort, dem man nur schwer ausweichen kann. Denn das Böse beschäftigt uns. Es vergeht kaum ein Tag, ohne damit konfrontiert zu werden im persönlichen oder öffentlichen Leben. Wenn wir direkt betroffen sind, durch Gewalt oder Betrug, dann wächst in uns der Zorn, ein gerechter Zorn. Manchmal fühlt es sich an, als könnten wir unseren Frieden erst wiederfinden, wenn wir Genugtuung erlangt haben und der Verursacher eine Lektion bekommen hat. Deshalb gibt uns die Bibel zwei Hinweise: 1. Dem Bösen zu wehren, ist Aufgabe des Staates. Er soll der Gewalt ein Ende setzen. 2. Uns aber sagt sie: Seid wachsam, aber zahlt nicht mit gleicher Münze zurück, lasst euch nicht von Rachegefühlen leiten, sondern überwindet das Böse mit Gutem, setzt auf Freundlichkeit, Güte und Besonnenheit! Tut etwas, was den Gegner überrascht; tut etwas, womit er nicht gerechnet hat. Beschämt ihn durch euer Verhalten und vielleicht wird er sich eines Tages ändern. Den Versuch ist es wert, immer wieder.

Der Raser auf der Straße bemerkt vielleicht gar nicht, dass sie ihren Zorn überwunden haben und ihm doch noch die Möglichkeit gegeben haben, sich nach dem Überholen vor ihnen einzuordnen. sie aber haben etwas Gutes getan, etwas, was dem Frieden dient. Und haben damit vielleicht Menschenleben gerettet! Lass dich nicht vom Bösen überwinden, sondern überwinde das Böse mit Gutem“, ein wichtiger Grundsatz christlicher Lebensweise, nicht den Bösen zu richten, sondern ihn für das Gute zu gewinnen. Aber auch Zivilcourage ist gefragt, um öffentlich einzuschreiten, Stellung zu nehmen und Partei zu ergreifen, wenn einem Menschen Unrecht geschieht. Wenn ich mich für einen anderen einsetze, wird deutlich, wovon ich mich bestimmen lasse, was ich in meinem Christsein als richtig erkannt und von Jesus, dem Nazarener, gelernt habe.

Wilfried Koch