Gedanken zur Jahreslosung 2007

Der Jahreswechsel - das ist für viele Menschen immer wieder Anlass, ihr Leben zu verändern oder etwas Neues zu planen, einen neuen Anfang zu wagen. Es werden gute Vorsätze gefasst, aber es werden auch Ängste und Erwartungen spürbar. Da will uns die Jahreslosung für 2007 Mut machen und Hoffnung wecken "Siehe, ich will ein Neues schaffen, jetzt wächst es auf, erkennt ihr`s denn nicht?" Jes. 43, 19a. Ein Zuspruch, der gut zu einer Zeit des Wandels passt, wenn sich Vertrautes ändert. Ein Wort, das helfen kann, die positiven Seiten der Veränderung zu entdecken. Wenn etwas Neues beginnt, etwas, das wie ein Samenkorn den Keimling unaufhaltsam durch die dunkle Erde nach oben ins Licht schiebt, so wächst das Neue aus dem Verborgenen heraus, wird für alle sichtbar. Manchmal erleben wir so etwas: wie eine Entscheidung langsam reift, ohne dass wir es selbst merken, und dann scheinbar plötzlich ausgesprochen wird. Etwas, das einem Leben eine ganz neue Wendung geben kann.

Die Jahreslosung 2007

Gott spricht: Siehe, ich will ein Neues schaffen, jetzt wächst es auf, erkennt ihr's denn nicht?
Jesaja 43,19a

Im Buch Jesaja, aus dem die Jahreslosung stammt, sind mit der Hoffnung auf etwas Neues ganz konkrete Erwartungen verbunden. Im Hintergrund stehen Krieg und Gefangenschaft. Das Nordreich Israel wurde Ende des 8. Jh. v. Chr. von den Assyrern erobert. Ungefähr 150 Jahre später haben die Babylonier das Königreich Juda besetzt und Jerusalem zerstört. Viele Menschen wurden verschleppt oder sind geflohen. Die Überlebenden haben sich in den Trümmern unter harten Lebensbedingungen eine neue Existenz aufgebaut. Das Unheil, das von Jesaja vor zwei Jahrhunderten angekündigt wurde, war eingetreten, weil die Gebote Gottes, die ein gutes Zusammenleben ermöglichen sollen, missachtet wurden. Aber die Hoffnung auf Befreiung ist nach 50 Jahren babylonischer Herrschaft ungebrochen. In diese Situation spricht Gott durch den Propheten, das Gericht Gottes ist Vergangenheit. Jetzt ist es an der Zeit, dass die Verheißungen sich erfüllen.

Was da geschieht, ist kein Zufall, sondern Gottes Handeln, das jetzt für die ganze Welt sichtbar wird. Nun wird erkennbar: Gottes Macht ist so groß, dass sie sogar im fernen Persien wirken kann. Gott handelt jetzt, für Israel, für Jerusalem. Im Mittelpunkt steht die einzigartige Beziehung Gottes zu Volk und Stadt. Sie ist die Grundlage für die Erfüllung der alten Verheißungen. Es geht um die Rückkehr der Menschen, die nach Babylonien verschleppt wurden. Sie lebten zwar weitgehend unbehelligt teilweise auch in Wohlstand unter der babylonischen Bevölkerung, aber sie waren von der Heimat ausgeschlossen. So wie damals in Ägypten, so wird Gott wieder dafür sorgen, dass das Volk in die Freiheit und in das eigene Land ziehen kann.

Aber im Gegensatz zur Wüstenwanderung wird dieser neue Weg durch eine blühende Landschaft führen. Kein Wassermangel bedroht die Wandernden. Die Wüste wird verwandelt in einen Garten, durchzogen von Wasser, erfüllt von Leben (so Jes 41,18ff; 55,12f). Das ist das Neue, das Gott schafft - eine Verwandlung: ein lebensfeindlicher Ort wird zu einem Bereich des Lebens. Der Weg in die Freiheit mag immer noch steinig und gewunden sein, aber es gibt genug Wasser, um diese Durststrecke zu überwinden, es gibt Orte zum Ausruhen, zum Kraft schöpfen.

Die Jahreslosung ist eine Einladung, auf Gottes schöpferische Kraft zu vertrauen. Das Neue, das Gott ermöglicht, wird sich durchsetzen und groß werden. Immer wieder überrascht es uns im Frühjahr, wie schnell plötzlich die Bäume ihre Blätter entfalten. Am Abend noch wirkt alles braun und kahl - am nächsten Tag schon ist ein grüner Schleier zu sehen. Es ist diese unbändige Kraft in der Natur, die in diesem Text das sprachliche Bild liefert, um die Kraft dieses Neuen, das da wächst, zu beschreiben. Die Jahreslosung ist auch eine Einladung, sich auf den Weg zu machen. In der Regel haben wir uns ganz ordentlich eingerichtet in unserem Leben, kommen mehr oder weniger gut zurecht. Aber es gibt immer wieder Situationen, in denen uns bewusst wird, wie sehr wir in diesem Alltag gefangen sind. Diese Erkenntnis ist nicht immer eine Lebenskrise, kann uns aber doch zum Nachdenken bringen. Babylon kann ein sehr angenehmer Ort sein, und von allein käme niemand auf die Idee, diesen Ort zu verlassen. Oft sind es dann Anstöße von außen, die uns in Bewegung bringen: Kinder kommen in die Schule oder gehen aus dem Haus, in der Arbeitsstelle gibt es Veränderungen, man muss den Verlust eines lieb gewonnenen Menschen verarbeiten. Solche Veränderungen stellen die eigene Lebensplanung in Frage - und plötzlich ist klar, dass es Zeit ist, aufzubrechen, etwas Neues zu machen.

Natürlich ist es nicht einfach, das Gewohnte zu verlassen. Veränderungen sind mit Ängsten verbunden, sogar dann, wenn eigentlich eine Verbesserung zu erwarten ist. Wir sind nicht allein, auf uns gestellt, sondern Gott geht mit. Wir werden begleitet von Gottes Segen. Der Weg in ein neues Leben muss nicht so steinig und trocken sein, wie wir ihn in unserer Angst sehen. Die Leben schaffende Kraft Gottes kann uns die Augen dafür öffnen, dass wir die Wasserströme neben diesem Weg finden, die Bäume, die Schatten spenden, wenn wir uns ausruhen müssen. Die Durststrecke ist schon verwandelt in einen Weg des Lebens.

Das Leben wird oft mit einem Weg verglichen, den wir zurücklegen. Manchmal halten wir uns länger an einem Ort auf. Wenn wir uns dort wohl fühlen, macht uns das nichts aus. Dort bleiben wir gerne. Es gibt aber auch Orte, an denen wir uns nicht wohl fühlen. Wenn wir von dort nicht weg können, dann können wir uns mit der Situation arrangieren, aber oft bleibt die Sehnsucht nach einem neuen, besseren Ort. Ägypten und Babylon sind die Orte, an denen Israel festgehalten wurde. Wir haben jeder unser eigenes Babylon, wenn wir uns auf den Weg zu etwas Neuem machen, wenn wir nicht wissen, was vor uns liegt.

Vielleicht haben wir Angst davor. Wir sehen die vielen Steine, die im Weg liegen, wir fürchten die Entbehrungen, den Durst. Wir wissen nicht, ob wir durchhalten. Gott sagt: "Siehe, ich will ein Neues schaffen, jetzt wächst es auf, erkennt ihr`s denn nicht?" Wir öffnen die Augen und sehen: Neben dem Weg gibt es Wasserstellen, Oasen, an denen wir Wasser bekommen und es wachsen Bäume dort, unter denen wir uns ausruhen können.